Hauszeitung - Der Bote vom Deutenberg - Flipbook - Seite 5
Frühlingsgeschichte
Das verschwundene Frühlingslied
Im alten Apfelgarten war der Frühling
gerade angekommen. Überall spross
frisches Grün, die ersten Blumen öffneten ihre Köpfe und die Tiere des Gartens waren aus ihrem Winterschlaf erwacht.
Doch an diesem Morgen stimmte etwas
nicht. Amsel Frieda saß auf ihrem Lieblingsast, räusperte sich und wollte ihr
erstes Frühlingslied singen, doch plötzlich stoppte sie. „Das ist ja merkwürdig“,
krächzte sie. „Mein Lied … es ist weg!“
Dann untersuchten sie den Teich. Die
Frösche quakten laut durcheinander,
doch auch sie hatten kein Lied gesehen.
Gerade als Emil schon dachte, das Lied
sei für immer verschwunden, hörte
Lotti plötzlich ein leises Geräusch. „Hört
ihr das?“ Ganz zaghaft, kam aus dem
dichten Busch neben dem Apfelbaum
ein kleines, unsicheres Zwitschern.
Unten im Gras spitzte Hase Hugo sofort
die Ohren. „Wie kann ein Lied denn verschwinden?“ „Ich weiß es nicht“, sagte
Frieda aufgeregt. „Gestern konnte ich
noch singen. Heute fehlt mir die schönste Melodie.“
Die Tiere schoben die Zweige auseinander und erblickten einen kleinen Spatz.
„Ich habe das Lied ausprobiert. Es klang
so schön und ich wollte lernen, auch so
zu singen.“ Amsel Frieda sah den Spatz
an. Dann lächelte sie. „Ein Lied verschwindet nicht, wenn man es teilt. Im
Gegenteil – es wird größer.“
Der kleine Igel Emil kroch neugierig
näher. „Vielleicht hat jemand dein Lied
gefunden“, überlegte er. Das Eichhörnchen Lotti sprang aufgeregt von Ast zu
Ast. „Dann müssen wir es suchen! Ohne
Frühlingslied fühlt sich der Garten doch
gar nicht richtig nach Frühling an.“
Sie setzte sich neben den Spatz und
sang ihre Frühlingsmelodie. Der Spatz
sang mit. Die Bienen summten dazu,
die Frösche quakten im Takt und Hugo
klopfte mit den Pfoten auf den Boden.
Und so wurde an diesem Morgen nicht
nur der Frühling begrüßt, sondern auch
ein neues Frühlingslied geboren.
Also machten sich die Tiere gemeinsam
auf den Weg. Zuerst schauten sie bei
den Bienen nach. „Habt ihr vielleicht ein
Lied gefunden?“ fragte Hugo. Die Bienen summten und schüttelten ihre kleinen Köpfe. „Nein, wir sammeln nur
Nektar.“
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