Hauszeitung Januar bis März 2025 Kontrollausgabe - Flipbook - Seite 17
Gedichte
Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Sommerabend
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.
Joseph von Eichendorff
Joseph von Eichendorff
Ein grünes Blatt
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen, ich
nahm es so im Wandern mit, auf daß es
einst mir möge sagen, wie laut die
Nachtigall geschlagen, wie grün der Wald,
den ich durchschritt.
Theodor Storm
An einem Sommermorgen
Auf den Wiesen lag das junge Jahr.
Vom Himmel grüßte mild die Sonne,
Der Kuckuck sang, die Wachtel schlug im Korn:
Da gingen wir zusammen durch die Flur,
Und pflückten Blumen, rot und blau und gelb,
Und flochten einen Kranz und warfen ihn ins Wasser,
Und sahen zu, wie er forttrieb.
Eduard Mörike
17