Inside Alpenland 2025-26 - Magazin - Seite 23
Als Soulemane an einem warmen Septembertag 2021 in
In dem P昀氀egeheim, in dem er heute arbeitet, ist er längst
Deutschland aus dem Flugzeug stieg, war er voller Vorfreu-
angekommen. Sein Team ist international, der Umgang
de – und zugleich voller Fragen. Nur zwei Tage zuvor hatte
herzlich. Er übernimmt Verantwortung, gestaltet mit.
das neue Schuljahr begonnen, und er selbst konnte kaum
Doch der Weg ist nicht zu Ende: Sein nächstes Ziel ist
erklären, warum er zu spät kam. Die Sprache, die ihm
der B2-Sprachkurs, danach sollen weitere Fortbildungen
schon im Unterricht Kopfzerbrechen bereitet hatte, schien
folgen. „Hier gibt es viele Möglichkeiten – und vor allem Ho昀昀-
nun ein Berg aus unüberwindbaren Hürden zu sein. „Ich
nung für jeden, der sich engagiert.“
hatte Angst, dass ich sogar Probleme mit dem Visum bekomme“, erinnert er sich. Doch alles ging gut. Heute, wenige
Jahre später, blickt er auf einen Weg zurück, der von Mut,
Entbehrung und unerschütterlicher Ho昀昀nung geprägt ist.
Zwischen den Kulturen
Deutschland hat ihn überrascht – nicht nur durch das
Klima, sondern auch durch die Kultur. Besonders die
Von der Universität ins Unbekannte
Soulemanes Geschichte beginnt in Togo, einem Land,
Feste, die das Jahr strukturieren, haben ihn beeindruckt.
„Es ist schön zu sehen, wie sehr hier Traditionen gep昀氀egt
werden“, sagt er. Und obwohl er Togo vermisst, hat er in
das trotz seiner Lebendigkeit nur begrenzte Perspektiven
der Vielfalt seiner Klassenkameraden und Klassenkame-
bietet. Er studierte Geschichte in Lomé, widmete sich der
radinnen sowie seiner Kollegen*innen ein neues Zuhause
Zeitgeschichte und tauchte gleichzeitig in die Welt der
gefunden.
Sprachen ein: Französisch, Arabisch, Englisch und schließlich Deutsch. „Mein Traum war es, Diplomat zu werden“,
erzählt er. Doch Corona machte viele Pläne zunichte. Statt
Ein Rat für andere
eines Masterstudiums in Bochum, das pandemiebedingt
Wenn er jungen Menschen aus Afrika einen Rat geben
nur online statt昀椀nden sollte, entschied er sich – ermutigt
dürfte, die ebenfalls eine Ausbildung in Deutschland
von einem Freund – für eine Ausbildung in der P昀氀ege. Ein
planen, dann ist es dieser: „Sprache ist der Schlüssel. Sprecht
pragmatischer Schritt, wie er sagt, aber einer, der ihm
so viel wie möglich – nicht nur lesen und schreiben. Nur wer
heute sinnvoller erscheint als alles andere.
spricht, integriert sich wirklich.“
Der Sprung ins kalte Wasser
Soulemane´s Weg ist kein geradliniger. Er ist geprägt von
Der Weg nach Deutschland war kein einfacher. Neben
wiegt eines: die Ho昀昀nung. Die Ho昀昀nung auf ein selbst-
der sprachlichen Herausforderung kam die 昀椀nanzielle
bestimmtes Leben, die Ho昀昀nung, anderen den Weg zu
Belastung: Mitgliedsbeiträge, Vertragskosten, Visumsge-
ebnen – und die Ho昀昀nung, dass sich Durchhaltevermögen
bühren, Kaution, Flugticket – mehr als 6.000 Euro muss-
lohnt.
Umwegen, Zweifeln, Belastungen. Doch am Ende über-
te er aufbringen, bevor er überhaupt den Fuß auf deutschen Boden setzte. „Es war eine große Investition in meine
Zukunft“, sagt er nüchtern.
Doch Geld allein ö昀昀net keine Türen. Die ersten Wochen
in Deutschland waren hart: der ungewohnte Dialekt, das
frühe Aufstehen, die Schichtdienste. Und die Angst, beim
Sprechen Fehler zu machen. „Irgendwann sagte ich mir:
Jetzt reicht’s. Ich spreche – mit Fehlern oder ohne.“ Ein Satz,
der für Soulemane´s Weg steht wie kaum ein anderer: der
Mut, trotz Unsicherheit weiterzugehen.
Hoffnung als Antrieb
Warum er all das auf sich genommen hat? Die Antwort
kommt ohne Zögern: seine Familie. Soulemane´s Vater
hat 13 Kinder. „Meine größte Ho昀昀nung war – und ist –,
meine Familie unterstützen zu können.“ Verantwortung, die
schwer auf den Schultern liegen könnte – die er aber mit
einem Lächeln trägt.
Vielfalt
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