Inside Alpenland 2025-26 - Magazin - Seite 47
Ein Lied erklingt, einige Bewohner summen mit. „Rituale
geben Sicherheit“, sagt Isabelle Epple, Betreuungsleitung
im Haus der Betreuung und P昀氀ege Bad Rappenau. Für
sie bedeutet soziale Betreuung Teilhabe, Biogra昀椀earbeit
und Lebensqualität. Sie führt ein neunköp昀椀ges Team,
„Langweilig wird es
mir hier wirklich nie.“
plant Angebote, koordiniert mit Ärzt*innen, P昀氀ege und
ISABELLE EPPLE
Angehörigen und ist täglich auf den Wohnbereichen unter-
Betreuungsleitung im Haus der Betreuung
und P昀氀ege Bad Rappenau
wegs: „Ich möchte spüren, wie es den Menschen geht.“
Projekte, die verbinden
Demenz verstehen
Besonders wichtig sind ihr zwei Projekte. „Unsere
„Menschen mit Demenz brauchen Halt – und den geben
Kooperation Jung und Alt“ bringt Bewohner*innen aus
wir durch Struktur.“ Gruppen 昀椀nden immer zur gleichen
Eingliederungshilfe und Seniorenzentrum zusammen. Sie
Zeit statt. Kognitiv 昀椀tte und stärker beeinträchtigte
basteln, spielen, backen Pizza oder besuchen den Tierpark.
Bewohner*innen sitzen bewusst zusammen. Wer mehr
„Diese Begegnungen sind eine Bereicherung.“
Unterstützung braucht, erhält Einzelbetreuung nach
Das zweite Projekt sind internationale Kochabende.
Arbeit.“
seiner Biogra昀椀e. „Erinnerungsarbeit ist ein Kern unserer
Mitarbeitende
wählen
ein
Land
und
kochen
ein
Abendessen aus ihrer Kultur. „Das sind echte Highlights für
Eine Erfahrung berührt sie bis heute. Eine Bewohnerin
unsere Bewohnenenden.“
mit fortgeschrittener Demenz war oft aggressiv. Dann
erfuhr sie von ihrer Tierliebe. Seitdem begleitet die
Strahlende Augen
Hündin Abby sie regelmäßig. „Plötzlich war diese Frau
wie verwandelt.
„Ich liebe an meinem Beruf, dass kein Tag wie der andere
ist.“ Sie zitiert Richard Taylor: „Man weiß niemals alles
über jeden. Und man weiß ganz sicher niemals alles über
Demenz.“ Dann sagt sie: „Wenn ich sehe, wie Bewohner
aufblühen, dann lohnt sich alles. Strahlende Augen sind
das Größte.“
Umgang mit herausforderndem
Verhalten
„Es geht nie gegen einen persönlich. Meist steckt Angst
dahinter.“ Ein Spaziergang kann Unruhe lösen, bei Wut
hilft Ruhe und der Blick auf das Bedürfnis. Ihr Leitsatz:
geben Raum für Austausch. Biogra昀椀sche Informationen
sind für das Team entscheidend. „Das ist gold wert.“
Orientierung geben
„Haben Sie keine Angst, etwas falsch zu machen.“
Geduld, Humor und Empathie. „Wenn ich ruhig bleibe
Bekannte Gegenstände und Fotos geben Sicherheit.
und mitfühle, verändert sich die ganze Situation.“
„Solange Sie ehrlich und empathisch sind, ist kein Fehler
schlimm.“ Geduld hilft am meisten. „Der Mensch mit
Angehörige einbeziehen
Demenz fühlt, wenn er verstanden wird.“
Angehörige können an Gruppen, Festen und Aus昀氀ügen
teilnehmen. „Viele erleben ihren Vater oder ihre Mutter
hier ganz anders.“ Zwei Angehörigenabende im Jahr
Betreuung
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